Praxis für Familiengesundheit

Wenn Kinder die Elternlast übernehmen: Parentifizierung im Fokus

Parentifizierung

Psychische Themen sind sehr sensible Themen, vor allem auch im familiären Kontext. Denn hier gibt es Themen, die sich oft über Generationen hinweg erstrecken können. Ein Phänomen, das erhebliche Auswirkungen auf die emotionale Gesundheit hat, ist die sogenannte „Parentifizierung“. In diesem Blogbeitrag werde ich mich diesem wichtigen Thema widmen, die Ursachen beleuchten, diejenigen hervorheben, die besonders betroffen sind, und schließlich Wege aufzeigen, wie Eltern dem achtsam begegnen und vorbeugen können.

Was ist Parentifizierung?

Eine Parentifizierung tritt auf, wenn Kinder ungewollt oder unbeabsichtigt in die Rolle von Eltern schlüpfen und für die emotionalen oder physischen Bedürfnisse ihrer Eltern verantwortlich werden. Dies kann auf verschiedenen Ebenen geschehen und entspricht einer Art „Überlebensmodus“. Diese Ebenen reichen von der Übernahme von Verantwortung für die Geschwisterpflege bis zur emotionalen Unterstützung der Eltern in schwierigen Lebenssituationen (z.B. Trennung). Das Kind fühlt sich hierbei verantwortlich für das Wohlergehen der Eltern. Dies ist allerdings eine viel zu große Bürde, der ein Kind nie gewachsen sein kann. Dieses Muster setzt sich (sofern es nicht durchbrochen wird) im späteren Leben fort, in dem dieser Mensch immer wieder die Verantwortung für andere übernimmt und sich damit völlig überfordert, bzw. anderen Menschen ihrer (Eigen-)Verantwortung beraubt. Da es ein erlernter Überlebensmodus ist, ist dieses Muster nicht ganz leicht zu durchbrechen und dies bedarf nicht selten therapeutischer Unterstützung.

Ursachen der Parentifizierung

  • Elterliche Überlastung: Wenn Eltern mit übermäßigem Stress, finanziellen Sorgen oder emotionalen Herausforderungen konfrontiert sind, neigen sie dazu, ihre Kinder unbewusst in ihre Probleme einzubeziehen.
  • Abwesenheit oder Unfähigkeit der Eltern: Wenn Eltern physisch oder emotional abwesend sind oder Schwierigkeiten haben, ihre elterlichen Aufgaben zu erfüllen, können Kinder versuchen, diese Lücke zu füllen, indem sie in die Rolle des „Elternersatzes“ schlüpfen, dem sie keinesfalls gewachsen sein können.
  • Dysfunktionale Familienstrukturen: In Familien, in denen klare Rollen und Grenzen fehlen, besteht ein höheres Risiko für Parentifizierung. Kinder können in dieser Umgebung versuchen, Ordnung zu schaffen, indem sie Verantwortung übernehmen.
  •           Übernahme aus dem Familiensystem: Parentifizierung kann schon in vergangenen Generationen vorgelegen haben. Wenn die Kinder nun dieses Muster (wenn es nicht erkannt wird) weitertragen, setzt sich diese Problematik von Generation zu Generation fort, bis das Muster durchbrochen wird.

Betroffene Personen

  • Ältere Geschwister: Ältere Geschwister sind oft die ersten, die in die Rolle der Parentifizierung schlüpfen, insbesondere wenn jüngere Geschwister da sind.
  • Einzelkinder: Auch Einzelkinder können von Parentifizierung betroffen sein, insbesondere wenn sie mit alleinerziehenden Eltern aufwachsen oder wenn die Eltern stark belastet sind. Diese Kinder übernehmen dann häufig die Rolle des „Partnerersatzes“.
  • Kinder von psychisch oder physisch kranken Eltern: Kinder, deren Eltern unter psychischen oder physischen Erkrankungen leiden, haben ein höheres Risiko für Parentifizierung, da die elterlichen Ressourcen oft auf die Krankheit gerichtet sind.

Prävention der Parentifizierung

  • Klare Kommunikation: Eltern sollten offen mit ihren Kindern über ihre eigenen Gefühle, Sorgen und Herausforderungen sprechen, um eine offene Kommunikationslinie zu schaffen. Hierbei sollte klar kommuniziert werden, „Ich bin groß, ich finde eine Lösung und wenn nicht, hole ich mir Hilfe von anderen Erwachsenen, die wissen wie es geht.“ Kinder dürfen lernen, dass wir Eltern zwar auch mal Probleme und Sorgen haben, wir uns aber zu helfen wissen und nicht sie dafür verantwortlich sind.
  • Grenzen setzen: Es ist wichtig, klare Grenzen zwischen den elterlichen Aufgaben und den Aufgaben der Kinder zu ziehen. Kinder können im Laufe der Zeit lernen Verantwortung für sich selbst (ggf. noch für ein Haustier) zu übernehmen. Der Rest bleibt Aufgabe der Eltern! Kinder sollten nicht für Probleme oder Verantwortlichkeiten der Eltern verantwortlich gemacht werden.
  • Familiäre Unterstützung suchen: Wenn Eltern das Gefühl haben, überfordert zu sein, ist es ratsam, professionelle Hilfe oder familiäre Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dies kann die Last auf die Kinder verringern. „Mama/ Papa weiß sich zu helfen (bzw. Sucht sich Hilfe), da muss ich mich als Kind nicht drum kümmern und kann getrost spielen gehen.“

Die Parentifizierung ist ein komplexes Thema, das oft im Verborgenen bleibt. Für Eltern ist es wichtig, sich bewusst zu sein, wie sich das eigene Verhalten auf die Kinder auswirken kann. Sei achtsam und ergreife proaktiv Maßnahmen, um eine gesunde Dynamik in Deiner Familie zu fördern. Offene Kommunikation, klare Grenzen und die Bereitschaft, Dir Unterstützung zu suchen, können dazu beitragen, die Muster der Parentifizierung zu durchbrechen und somit die emotionale Gesundheit von Dir und Deiner gesamten Familie zu stärken.

Solltest Du Hilfe beim durchbrechen Deiner Muster, oder denen Deines Kindes haben, dann melde Dich gerne bei mir und vereinbare einen Termin für Dein kostenfreies, telefonisches Erstgespräch.

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