Praxis für Familiengesundheit

Kinder brauchen ihre Leuchttürme

Kinder stärken

Kinder sind kleine Seefahrer, die in See stechen, um die Welt zu entdecken und zu erkunden. Doch wie jeder Seefahrer, brauchen sie ihre Leuchttürme. Leuchttürme geben Sicherheit, denn auch im Sturm, bei jedem Unwetter, in der dunkelsten Nacht oder bei rauer See zeigen sie den Seefahrern den sicheren Weg durch alle Untiefen. Wer oder was sind diese Leuchttürme und wie können wir unsere Kinder stärken? Dieser Frage möchte ich in diesem Artikel auf den Grund gehen.

Wer sind diese „Leuchttürme“ für unsere Kinder?

In den meisten Fällen sind beide Eltern diese Leuchttürme für die Kinder. Doch manchmal will es das Schicksal so, dass plötzlich einer der beiden wegbricht, im schlimmsten Falle sogar beide, und Großeltern, Pflegeeltern, Onkel, Tante oder gar ältere Geschwister diesen Part übernehmen müssen. Die Günde hierfür können vielfältig sein – Unfälle, schwere Erkrankung, Tod oder auch das „nicht für ein Kind sorgen können“. Diese Traumata sind einschneidend für die Kinder. Umso mehr brauchen sie den Halt und die Hilfe der Leuchttürme, die ihnen geblieben sind oder an ihre Stelle getreten sind.

Doch auch wenn ein Kind noch beide Eltern hat, können diese in Lebenskrisen stecken. Das Licht der Leuchttürme flackert dann und ist für die kleinen Seefahrer kein verlässlicher Wegweiser mehr.

Die Leuchttürme stärken

Um die Kinder zu stärken ist es daher unumgänglich auch deren Leuchttürme zu stärken. Denn wenn einmal Überforderung und/ oder Überlastung im Familiensystem vorhanden ist, hat dies Auswirkung auf alle Beteiligten. Resilienz (innere Stärke/ Wiederstandskraft) ist das Immunsystem unserer Seele. Dieses stark und stabil zu halten ist unser aller Aufgabe. Somit müssen auch wir Erwachsenen uns regelmäßig fragen, wie es uns geht.

Gibt es aktuell belastende Lebensumstände? Haben Sie noch mit vergangenen belastenden Ereignissen zu kämpfen? Helfen können unter Umständen die Antworten auf die Fragen:

„Was würde mir jetzt guttun?“

„Kann ich den Berg in lauter kleinen Steinchen allein abtragen oder hole ich mir Hilfe?“

„Was würde meine Situation verbessern?“

Manchmal reicht hierfür ein Wellnesstag, oder aber es erfordert eine neue Tagesstruktur, eine Familienhilfe oder gar eine Verkürzung der Arbeitszeit oder einen Arbeitsplatzwechsel. Denn auch finanzielle oder existenzielle Sorgen der Eltern, können Ängste bei Kindern hervorrufen. Wie trete ich denn meinem Kind heute entgegen? Kann ich lachen und fröhlich sein, oder bin ich ernst, sorgenvoll, traurig oder bekümmert. Es kommt nicht darauf an jeden Tag gut drauf zu sein. Auch wir Erwachsenen haben mal Kopfschmerzen oder sind geschafft von einem anstrengenden Arbeitstag. Dies können wir unseren Kindern ja auch so kommunizieren. Doch länger anhaltende Sorgen und Ängste können zu einem Problem werden, welches auch nicht spurlos an unseren Kindern vorübergeht.

Wir Erwachsene haben in erster Linie die Aufgabe gut für uns zu sorgen. Denn nur, wenn wir stabil sind, können wir auch für unsere Kinder da sein.

Kinder lernen von uns

Wir haben viele Situationen in unserem Leben selber schon durchlebt, die für unsere Kinder jetzt noch als große Herausforderung erscheinen. Resilienz können Kinder von ihren Leuchttürmen lernen, indem wir ihnen Halt, Sicherheit, Vertrauen, Liebe und Respekt entgegenbringen. Indem wir ihnen beibringen zu Kommunizieren, Regeln und Werte vermitteln und Wertschätzung und konstruktive Kritik entgegenbringen. Auch Humor und Optimismus tragen zu einer höheren seelischen Widerstandskraft bei.

Wir haben unsere Erfahrungen im Leben schon gemacht und sind gestärkt daraus hervorgegangen. Nun können wir unseren Kindern diese Erfahrungen zur Verfügung stellen, sei es bei Problemen in der Schule, Zwischenmenschlichen Konflikten mit Freunden, Hänseleinen oder Mobbing, Liebeskummer oder nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Auch der Tod eines Haustieres kann bei manchen Kindern Begleitung erfordern.

Den Gefühlen Raum geben

Vielleicht kennen Sie die Redewendungen mancher älteren Generation, wie:

  • Jetzt hab dich nicht so!
  • Ein Junge weint nicht!
  • u.s.w.

Sie alle sprechen den Betroffenen ihre Gefühle ab. Sie suggerieren dem Kind: „Was Du fühlst ist falsch!“

Dabei ist es so wichtig, die Gefühle ernst zu nehmen und ihnen Raum zu geben.

  • Es ist völlig okay, dass Du traurig bist.
  • Es ist völlig okay, dass Du denkst du kannst das nicht. Solche Herausforderungen können Angst machen und es erfordert viel Mut diesen Schritt zu gehen. Ich bin an Deiner Seite. Du bist nicht allein.
  • Ich verstehe, dass Du wütend bist.

Wichtig ist es, dass die Kinder mit ihren Gefühlen nicht allein gelassen werden.

„Doch was ist, wenn mein Kind nicht reden will, oder mich wegschickt?“, könnten Sie jetzt fragen. Jeder Mensch verarbeitet seine Emotionen anders. Der eine braucht Gesellschaft und Nähe, der Andere möchte lieber allein sein. Der eine verleiht seinen Gefühlen Ausdruck, weint, schreit, tobt und der Andere leidet still vor sich hin, oder zieht sich zurück. Das alles ist im Moment völlig in Ordnung. Ein „Ich bin für dich da, wenn Du mich brauchst.“, oder „Du kannst jederzeit zu mir kommen.“, geben dem Kind Sicherheit, dass es nicht alleine gelassen wird. Wichtig ist, dass es Vertrauen zu seinen Bezugspersonen hat und es mit seinen Sorgen und Nöten jederzeit eine Anlaufstelle hat. Bedrängen Sie ihr Kind nicht. Es wird kommen, wenn der richtige Zeitpunkt da ist. Wichtig ist, dass sie dann einen Raum schaffen, wo Sie ihm aktiv und ungestört zuhören können. Es muss sich auch sicher sein können, dass Geheimnisse gewahrt werden. Wenn Sie sich nicht sicher sind, fragen Sie ihr Kind ob Sie darüber mit Ihrem/r Partner/in sprechen dürfen. Es stärkt das Vertrauen untereinander, wenn Ihr Kind weiß, dass es sich auf Sie verlassen kann.

Sorgfaltspflicht

Am Ende bleibt noch zu sagen: Mit seelischen Problemen (egal ob ein Kind oder ein Erwachsener sie hat) ist es ähnlich wie bei einer Erkältung. Anfangs kann man diese noch selbst mit Tee, Ruhe oder Hühnersuppe therapieren aber wenn es nicht besser wird, dann gehört man zum Arzt. 

Genauso gehören auch anhaltende seelische Probleme in therapeutische Betreuung. 

Bei Fragen zum Thema kontaktieren Sie mich gern.

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