Praxis für Familiengesundheit

Gefühlen Raum geben

Den Gefühlen Raum geben

Vielen Kindern fällt es schwer ihre Gefühle wahrzunehmen und angemessen auszudrücken. Wie können wir unseren Kindern helfen, ihren Gefühlen Raum zu geben, über ihre Gefühle zu sprechen oder andere Ausdrucksformen zu finden ohne sie in Gewalt, erneutem frühkindlichen Verhalten, oder innerer Selbstzerstörung münden zu lassen? Wie können wir als Eltern einen vertrauensvollen und fürsorglichen Umgang mit kleinen Wutzwergen oder Trauerklößen lernen?

Die Ketten der Vergangenheit sprengen

Die Ziele der früheren Erziehung waren geprägt von einer guten Außenwirkung. Es sollten alles „brave Kinder“ werden. Individuelle Bedürfnisse wurden dabei sehr weit hinten angestellt. 

Sätze, wie:

  • Ein Indianer kennt keinen Schmerz.
  • Bis Du heiratest ist alles wieder vergessen.
  • Ein Junge weint nicht. Du bist doch kein Mädchen!
  • usw.

kommen Ihnen vielleicht bekannt vor. Sie alle sprechen den Betroffenen ihre aktuellen Gefühle ab und werten die entsprechenden Gefühlsäußerungen als „falsch“. Sie vermitteln den Kindern, dass sie immer stark und angepasst sein müssen und keinerlei Schwäche zeigen dürfen. Dies hatte zur Folge, dass die Kinder häufig ihre Gefühle „heruntergeschluckt“ und somit unterdrückt haben. Doch alles Unterdrückte tritt irgendwann wieder hervor, wenn der Kessel voll ist, oder es zerstört den Menschen innerlich. Welche persönlichen Potenziale soll ein Mensch ausleben können, wenn er nach außen überangepasst ist, aber innerlich zerbricht?

Einen anderen Weg einschlagen

Gerade Gefühle wie Überforderung, Selbstzweifel, oder Trauer können zu Stress führen, der sich früher oder später einen Weg nach außen sucht. Um nicht in einem Kreislauf aus unterdrückten Gefühlen, gewalttätigem Verhalten, oder körperlichen Stresssymptomen bis hin zum Suizid oder schweren organischen/ körperlichen Erkrankungen gefangen zu sein, stellt sich die Frage nach einem alternativen Weg.

Wie können wir unsere Kinder unterstützen, ihre Gefühle wahrzunehmen und konstruktiv mit ihnen umzugehen?

Gefühle anerkennen

Gerade wenn Kinder von ihren Gefühlen überwältigt werden, weinen, ningeln, schreien, hauen oder Gegenstände kaputt machen, fällt es uns Eltern nicht immer leicht die Ruhe zu bewahren. Oft sind die Gründe für uns gerade nicht nachvollziehbar.

Setzen Sie dem Kind ein klares Stopp-Signal, falls es verletzt, schreit oder etwas zerstört und atmen sie einmal tief durch. Nehmen Sie ihr Kind in den Arm, wenn es das möchte. Lassen Sie sich berichten, was es gerade belastet und versuchen sie die Sichtweise zu verstehen.

Sätze, wie:

  • Es ist in Ordnung wütend zu sein, aber es ist nicht in Ordnung gemein zu sein/ Dinge zu zerstören/ zu verletzen. Vielleicht schreist Du stattdessen lieber einmal laut in dein Kissen.
  • Du darfst weinen. Die Situation ist traurig. Und wenn Du genug geweint hast, schauen wir, wie wir weitermachen.
  • Dass Du Angst hast kann ich verstehen. Dieser Schritt erfordert viel Mut. Ich bin für dich da.
  • Ich kann verstehen, dass dich das ärgert. Lass uns gemeinsam überlegen was wir tun können.

erkennen die Gefühle des Kindes an und lassen es mit seinen überwältigenden Gefühlen und seiner Hilflosigkeit nicht allein im Regen stehen. Es fördert außerdem eine positive und authentische Beziehung zu Ihrem Kind. In vielen Situationen werden die Kinder schlagartig ruhiger. Sie fühlen sich gesehen und ernst genommen.

Wenn es Ihnen als Eltern schwer fällt die Ruhe zu bewahren, wenn Ihr Kind einen heftigen Gefühlsausbruch hat, dann verlassen Sie kurz den Raum. Atmen Sie 3mal tief durch oder schreien Sie lautlos. Das klingt für Sie seltsam? Probieren Sie es aus und schauen Sie, was für Sie am besten funktioniert. Wenn Sie selber innerlich etwas zur Ruhe gekommen sind, wird es Ihnen auch leichter fallen Ihr Kind mit seinen überwältigenden Gefühlen aufzufangen.

Gefühlen Ausdruck verleihen

Kinder sind häufig unheimlich kreativ. Sie können sich dies zu Nutze machen, indem Sie Ihr Kind seine Gefühle malen lassen. Vielleicht wird erstmal die Frage kommen: „Wie soll ich denn Gefühle malen?“ Hierbei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, aber keine Angst, es muss auch nicht der Picasso aus Ihrem Kind werden. Die Bilder können, müssen aber keine Gestalt haben. Oft sagen Farben, Striche, Wellenlinien oder scheinbares Gekrakel auch ganz viel über das Gefühl aus. Wenn das Kind mehrere Gefühle gemalt hat, fällt es ihm später möglicherweise leichter darüber zu sprechen, den Tag zu reflektieren oder in ähnlicher Situation wieder darauf zu verweisen.

Gefühle malen
Beispiel für das Malen von Gefühlen

Solche Gefühlbilder lassen sich auch gut in Tagebücher verarbeiten. Größeren Kindern und Jugendlichen fällt es vielleicht auch leichter generell ihre Gefühle und Tageserlebnisse in ein Tagebuch zu schreiben. Die Gedanken und Gefühle, die niedergeschrieben oder gemalt wurden, sind dann auf Papier „festgehalten“ und müssen somit nicht mehr im Kopf „festgehalten“ werden. Dies hilft beim verarbeiten des Erlebten.

Aber Vorsicht: Lesen Sie nur in dem Tagebuch Ihres Kindes, wenn es dies ausdrücklich erlaubt. Tagebücher sind auch für Kinder etwas sehr privates und nicht alles was darin steht, wollen sie preisgeben.

Aber vielleicht lässt es sich so dennoch besser über das ein oder andere ins Gespräch kommen, wenn das Kind seine Erlebnisse und Gefühle schon für sich etwas verarbeiten konnte.

Die Gesellschaft und unsere Persönlichkeit entwickelt sich weiter. Lassen Sie uns gemeinsam unsere Kinder begleiten, damit sie zu gefestigten, selbstbestimmten Menschen heranwachsen.

Sollten Sie Fragen haben oder Hilfe benötigen, melden Sie sich gern bei mir.

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